„Männer als Opfer häuslicher Gewalt. Ein Erfahrungsbericht“

„Ich habe am eigenen Leib erfahren, welche massiven Probleme unsere Gesellschaft hat mit männlichen Opfern umzugehen. Oft habe ich mich in diesem Kontext aufgrund meiner Männlichkeit diskriminiert gefühlt. Wegen dieser starken Diskriminierung, die auch meine engsten Freunde in Teilen miterlebt haben, halte ich es für nötig im Speziellen auf die Dynamik bei Gewalt gegen erwachsene Männer einzugehen. Das Ziel meiner Ausführungen ist nicht, Gewalt gegen andere Gruppen damit zu bagatellisieren. Vielmehr geht es mir darum anderen männlichen Opfern ein Forum und Sprachrohr zu bieten. Ich möchte hiermit nicht sagen, dass Männer stärkere Gewalt oder häufiger Gewalt erleben als Frauen oder Kinder. Was ich aber ganz deutlich sagen möchte, ist, dass es für männliche Opfer sicherlich hilfreich wäre, wenn die Türen der meisten Hilfsangebote nicht ausschliesslich für Frauen und Kinder geöffnet wären. Die Tatsache, dass Männer von vielen Hilfsangeboten ausgeschlossen werden, habe ich als eine zusätzliche starke Belastung empfunden. Ich denke, diese Form von struktureller Gewalt könnte männlichen Gewaltopfern recht einfach genommen werden. Einen Schlüssel zum Erfolg könnten wir in unserer Gesellschaft haben, wenn wir besser mit Sexismus umgingen.

[…]

In etwa der Hälfte der Fälle wurde mir mit Ungläubigkeit und Sprüchen begegnet wie: „Das kann doch nicht sein. Du bist doch ein Mann und viel stärker!“ Selbst meine Tränen der Verzweiflung wurden – wenn es in solchen Momenten dazu kam – nicht Ernst genommen. Stell dich nicht so an, riet man mir. Auf meine Idee, die Täterin anzuzeigen, wurde oft sogar aggressiv reagiert: „Rene das ist total feige, nur weil du damals deinen Mann nicht stehen konntest, da jetzt so nachzutreten.“ Nicht selten wurde sogar Druck ausgeübt: „Stell dir mal vor sie kommt wegen deiner Anschuldigungen und Feigheit ins Gefängnis. Damit würdest du ihr Leben zerstören.“

Ich kann von mir sagen, dass diese Form der strukturellen Gewalt, die ich in meiner damaligen Bewertung als „Männer sind keine Opfer“ abgespeichert habe, noch zusätzlich stark an meinem Selbstwert genagt hat. …“

Quelle / gesamter Artikel: Die Kolumnisten
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