Auch Niedersachsen schönt Opferstatistiken zur häuslichen Gewalt

In Reaktion auf unseren Artikel vom 21. 03. 2016, der die Verzerrung häuslicher Gewaltstatistiken in Thüringen in einem Interview der „Thüringer Ladeszeitung“ der Vorwoche thematisierte, gingen Rückmeldungen ein, die auf eine derartige Praxis auch in Niedersachsen verweisen. Beispielsweise wird die Opferschutzbeauftragte der Polizeiinspektion Osnabrück Monika Holtkamp in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ entgegen der Hellfeld-Erkenntnisse* der Beratungs- und Interventionsstelle des Landkreises und der Stadt Osnabrück (jeder sechste Mann Opfer häuslicher Gewalt, Tätigkeitsbericht 2013, Seite 16, (Beratung für Männer nichtexistent)) wie folgt zitiert:

„… Neu sei eine Sicherheitsberatung der Frau durch das Präventionsteam der Polizei. Durch die Beteiligung des Weißen Rings und der Opferhilfe seien finanzielle Hilfen möglich, etwa bei der Einrichtung von Sicherheitsanlagen oder einem Umzug. Auch Familienhebammen seien dem Netzwerk angeschlossen. In einem Fall habe eine Hochschwangere aus Angst vor ihrem gewalttätigen Mann jede Hilfe von außen verweigert und lediglich der Hebamme den Zugang erlaubt.

[…]

Auf Nachfrage aus dem Ausschuss erläuterte Holtkamp, dass bei häuslicher Gewalt Männer zu 92 Prozent die Täter sind. Daraus könne aber nicht geschlossen werden, dass bei den restlichen acht Prozent Männer die Opfer seien: „Frauen suchen sich meist weibliche Opfer wie zum Beispiel die Nebenbuhlerin oder neue Freundin des Mannes.“ …“

*In der Politik und Fachwelt herrscht weitgehend Konsens darüber, dass das Fehlen männlicher Opferansprachen sowie die ungleich höhere Schamschwelle und damit oftmals ausbleibende Inanspruchnahme von Hilfe seitens betroffener Männer für eine nur sehr geringe Hellfeldstatistik verantwortlich zeichnen.
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2 Kommentare

  1. Verräterische Statistik: Auf Seite 16 wird angegeben, dass nur Frauen beraten werden. Die Männer, die Opfer waren, scheinen keine Beratung zu verdienen. http://biss-os.de/Jahresbericht.pdf

    Haben die 2014 und 2015 die Tätigkeit eingestellt? Wieso gibt es nur für 2013 ein Tätigkeitsbericht?

    „Auf Nachfrage aus dem Ausschuss ..“ Ist dieser Vorgang irgendwo dokumentiert im Netz?

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