„Teilweise Teilwaise: Wenn der Vater oft weg ist“

„… Ich gehe davon aus, dass Sie zu Beginn der Beziehung mit Ihrem Mann wussten, dass seine Arbeit viele Reisen und Umzüge und Ähnliches verlangt. Ich stelle mir auch vor, dass Sie damals nicht sehr intensiv nach Ihren eigenen inneren Echos gesucht haben, die damit verbunden sind, wie Schmerz, Trauer, Versagensgefühle, Einsamkeit und Wut – Gefühlen, die das rationale Denken, Ihre Liebe und Ihr intellektuelles Handeln die meiste Zeit verlangsamen oder gar völlig ausblenden. Hinzu kommt, dass Ihr Mann und Sie starke, unabhängige Persönlichkeiten sind, die daran gewöhnt sind, sich um vieles zu kümmern. Auch Ihr Sohn hat all diese Gefühle, aber weder den Überblick noch den Intellekt, die Stärke und Rationalität, die ihm helfen würden. Er hat nur Sie, und auch das nur mit der halben oder noch weniger Kapazität, während er wütend und aufgebracht ist. Er weiß einfach nicht, wie er alleine damit fertigwerden soll. Die Realität eingestehen Er muss sich mit der Tatsache anfreunden, dass er Teilwaise ist. Und sie müssen sich eingestehen, eine Alleinerzieherin zu sein.

Es ist notwendig, sich mit vielen Emotionen auseinanderzusetzen, auch mit einigen, die von Ihrem Mann übernommen werden müssen. Die zwei wichtigsten sind Ihre Sorge um Ihren Sohn und Ihre wachsende Beziehung zu ihm und auch die Beziehung Ihres Sohnes zu seinem Vater. In der Sorge um Ihren Sohn braucht es zwei Qualitäten besonders: Ihre Ehrlichkeit und Authentizität und das Verhalten, das es ihm möglich ist, beides anzunehmen. Sie müssen seinen Schmerz und seine Wut erkennen, anerkennen und akzeptieren, während Sie ab und zu ausdrücken, dass es auch für Sie schwer ist ohne Ihren Ehemann. Besonders dann, wenn Sie ihn am meisten brauchen. Sie können Ihrem Sohn erklären, dass die Reisen nicht gegen ihn sind, sondern wichtig für die Arbeit seines Vaters. Sagen Sie das aber nicht, um das Verständnis Ihres Sohnes zu bekommen, oder mit der Absicht, dass er sich dadurch weniger unfair oder ungeliebt behandelt fühlt. Fürsorge statt Erziehung Sie schreiben, dass Ihr Sohn Ihnen nicht zuhört, aber doch Aufmerksamkeit haben möchte. Auch dass Sie versuchen, sein negatives Verhalten zu ignorieren. Das ist ein großes Missverständnis: Denn sein Verhalten ist weder negativ noch positiv. Vielmehr ist es so, dass er nur auf diese Weise sein inneres emotionales Chaos ausdrücken kann. …“

Quelle / gesamter Artikel: Der Standard
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