„Erziehung: „Mütter müssen Väter machen lassen““

SPIEGEL ONLINE: Frau Ahnert, Sie haben Hunderte Väter befragt und beobachtet. Was hat Sie dabei am meisten überrascht?

Ahnert: Wir hatten nicht erwartet, wie sehr die Qualität der Vaterschaft von den äußeren Umständen abhängt, also zum Beispiel von der Beziehung zur Mutter, den Möglichkeiten, Job und Familie zu vereinbaren, oder auch vom Kind. Bei frühgeborenen Kindern etwa verhalten sich die Väter oft äußerst zurückhaltend. Je ungünstiger die Umstände, desto eher wird das Vatersein an den Rand gedrängt.

[…]

SPIEGEL ONLINE: Verhalten sich jene Väter, die ihre Rolle gut ausfüllen, anders als Mütter?

Ahnert: Ja. Viele Männer sind weniger behütend, sie unterstützen die Neugier ihrer Kinder, aktivieren ihr Verhalten, werfen sie in die Luft, rennen und toben mit ihnen. Dieses physisch herausfordernde Verhalten ist bei Müttern seltener. Mütter achten dagegen eher auf die Unpässlichkeiten der Kinder und versuchen, negative Emotionen umgehend auszubalancieren. Wenn das Kind weint, nehmen sie es sofort in den Arm und trösten es.

SPIEGEL ONLINE: Und wie machen es die Väter?

Ahnert: Väter reagieren in solchen Situationen häufiger gelassener und benutzen Ablenkungsmanöver, die das Kind in die Lage versetzen sollen, Emotionen selbst zu regulieren. Das sind einfach verschiedene Strategien, die sehr nützlich für die emotionale Entwicklung des Kindes sind.

[…]

SPIEGEL ONLINE: Gestehen die Mütter den neuen Vätern ihre Rolle uneingeschränkt zu?

Ahnert: Das kommt darauf an. Das sogenannte Gatekeeping, bei dem die Mütter den Vätern – bewusst oder unbewusst – eine Kompetenz im Umgang mit ihren Kindern absprechen, beobachten wir schon noch. Und wenn die Väter ständig gesagt bekommen: „Du kannst das nicht, lass mich mal“, wird eine aktive Vaterschaft ziemlich ausgebremst. Das können sich die Mütter jedoch immer weniger leisten, wenn sie selbst beruflich eingebunden sind. Sie müssen die Väter in die Kinderbetreuung einbinden und sie auch machen lassen.“

Quelle / gesamtes Interview: Spiegel Online
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