„Bücher über Vaterschaft: Abwesend, liebend oder nie informiert“

Nachfolgendes Essay zum Vaterbild in der Kinder- und Jugendliteratur hat zwar einige Schwächen (uns ist beispielsweise nicht bekannt, dass Väter ihre Kinder einst als „Besitz vorführten“), ist insgesamt jedoch empfehlenswert:

Laut Umfrage einer Fachzeitschrift sind die Väter von heute ihren Kindern so nah wie keine Generation vor ihnen. Zwei Drittel sagen, sie hätten für ihre Vaterrolle kein Vorbild. Auch die aktuelle Kinder- und Jugendliteratur spiegelt das Vaterbild in seinen verschiedenen Varianten.

Während im realen Leben immer noch viele Kinder mit Vater und Mutter in einem Haushalt wohnen, muss man die traditionelle Familienkonstellation in der aktuellen  Kinder- und Jugendliteratur suchen. Oftmals sind die Mütter für die sogenannte Primärbeziehung zuständig. Die Väter sind engagiert oder einfach nur anwesend, sie sind Wochenendväter, aus dem Leben ihrer Mädchen oder Jungen nach und nach verschwunden oder gänzlich unsichtbar. Und so erscheinen in den heutigen Alltagsgeschichten recht unterschiedliche Vatertypen, die normalen Papas und die unnormalen Papas, wie die 11-jährige Polleke aus Guus Kuijers Kinderbuch „Wir alle für immer zusammen“ feststellen muss.

„Du kannst also einen Vater haben, der nicht dein Vater ist. Oder einen     Vater, der zwar dein Vater ist, der aber woanders wohnt. Oder einen Vater, den es zwar gibt, aber du hast keine Ahnung, wo. Oder einen Vater aus    einem Reagenzglas, den du nicht kennst. Oder einen Vater aus einem Reagenzglas, den du zwar kennst, zu dem du aber nicht Papa sagst, weil   du zu dem Mann deiner Mutter Papa sagst. Oder einen Vater aus einem Reagenzglas, zu dem du Papa sagst, obwohl er nicht der Mann deiner Mutter ist. Oder einen Vater, von dem du weißt, wo er ist, zu dem du aber nicht hindarfst. Oder du hast zwei Väter, die auf Männer stehen. Oder zwei Väter, die beide Frauen sind, aber lesbisch.“

Abkehr vom Patriarch

Vaterschaft ist heute vielfältig, denn der Vater, der einst als autoritäres Familienoberhaupt seine Kinder als Besitz vorführte, existiert nicht mehr. Bereits in der Aufklärung entwickelte sich beim Adel und gebildeten Bürgertum die Einsicht, dass der Vater als Erzieher und Vorbild für das Glück seines Kindes zuständig ist. Mit der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung im 19. Jahrhundert wandelte sich der Wirkungsbereich des Vaters. Sein Arbeitsplatz befand sich nicht mehr in den häuslichen Räumen, Frauen und staatliche Institutionen übernahmen die Erziehungsarbeit.

Durch die Gleichberechtigung der Frau und das Erbe der 68er Generation hat sich die Vaterschaft erneut verändert. Nicht mehr Befehlen wird nun in der Familie gefolgt, sondern seit den 1970er Jahren wird verhandelt. Dadurch sind auch die Kinder in alle möglichen Familienprobleme involviert und zeitgleich ist die Literatur für Kinder und Jugendliche in der Moderne angelangt. …“

Quelle / gesamter Artikel: Deutschlandfunk
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