„Nach der Scheidung: Mutter ohne Kinder“

Mütter, die nach ihrer Trennung den Kontakt zu ihren Kindern verlieren oder einschränken, zählen zu den Tabuthemen unserer Gesellschaft. Dass Ausgrenzungs- und Entfremdungsmechanismen oftmals auch andersherum greifen, wird bei Debatten um Gleichberechtigung, Rollenbilder und Ausgrenzung oft ausgeblendet. Eine eindrucksvolle Geschichte veröffentlichte jüngst die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“:

Seit 13 Jahren hat sie ihre drei Jungen nicht mehr gesehen. Nach der Trennung ließ sie die Kinder beim Vater zurück und begann ein neues Leben ohne sie. Sie sagt: aus Liebe zu ihnen.

[…]

Die Geschichte, die sie erzählt, hört sich ganz anders an als die Geschichte, die ihr ehemaliger Mann – ein erfolgreicher Manager – ihren Söhnen erzählt. In seiner Geschichte ist der Vater der Gute und die Mutter die Böse, die ihre Kinder im Stich gelassen hat und nur an sich und ihre neue Liebe denkt. In ihrer Geschichte ist der Vater der Böse und die Mutter die Gute, die nur an ihre Kinder denkt und überhaupt nicht an sich. Ihre Geschichte geht so: Der Vater hat die Kinder nach ihrem Auszug so lange gegen die Mutter aufgehetzt, bis die Kinder die Mutter aus Loyalität dem Vater gegenüber nicht mehr sehen wollten. Sechs Monate nach ihrem Auszug sprach ein Familiengericht dem Vater das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht für die drei Söhne zu, weil sie gesagt hatten, sie wollten nicht mehr zur Mutter.

[…]

Danach hat sie ihrem ehemaligen Mann einen Brief geschrieben: „Hiermit teile ich Dir mit, dass ich, um die Kinder zu schützen, ab sofort auf das Umgangsrecht mit den Kindern verzichte. Ich weiß, laut Gesetz ist es das Recht der Kinder auf Umgang mit ihrer Mutter, es ist nicht in erster Linie mein Recht auf Umgang mit ihnen. Aber ich als Mutter dieser drei Kinder entscheide auf Grund meiner Liebe zu ihnen und meinem Verantwortungsgefühl, dass es besser für die Kinder ist, bis auf weiteres keinen Kontakt zu mir zu haben. Entscheidend für den guten Umgangskontakt zwischen Kindern und dem nicht im gemeinsamen Haushalt lebenden Elternteil ist in aller erster Linie das Elternteil, das mit ihnen ständig zusammenlebt. Wenn dieser, in unserem Fall der Vater, den Kontakt nicht wünscht, weil er Angst und Hass fühlt, dann ist ein geregelter und entspannter Kontakt langfristig nicht möglich. Die Kinder lieben mich, und ich liebe sie über alles. Erst wenn Du bereit bist, diese Liebe zu respektieren und ihr den Platz zu lassen, auf den sie ein Recht hat, unabhängig von Dir, kann ein guter Kontakt mit den Kindern entstehen.“ Damals nahm sie an, dass ihr ehemaliger Mann irgendwann zur Besinnung kommen und sie die Kinder wiedersehen würde.

Doch so kam es nicht. Tatsächlich wurde Lohninger mit diesem Brief zu einer Mutter, die ihre Kinder nicht mehr sehen will. Das Oberlandesgericht Stuttgart nennt ihr Verhalten in einem späteren Beschluss zum Sorgerecht „nicht überzeugend nachvollziehbar“. Petra Lohninger hingegen zitiert Brechts „Kaukasischen Kreidekreis“, in dem eine leibliche Mutter und eine Magd um ein Kind streiten.

[…]

Was ist eine richtige Frau? Viele denken: eine, die ein Kind hat. Männlichkeit ist nicht so eng mit Vaterschaft verknüpft. Und Mütter, die ihr Kind aus seinem Umfeld reißen und es dem Vater entfremden, bekommen fast schon mehr Verständnis als die etwa 180.000 Frauen, die ihr Kind laut Statistischem Bundesamt beim alleinerziehenden Vater zurücklassen. Es gibt eine gesellschaftliche Norm, die lautet: Ein Kind gehört zur Mutter. Eine Mutter darf ihr Kind nicht verlassen, ein Vater schon eher. Aber ist die natürliche Bindung zwischen Mutter und Kind tatsächlich enger als die zwischen Vater und Kind? Schließlich nimmt der Embryo schon im Mutterleib die Chemie der Mutter und ihre Lautäußerungen wahr, er registriert, was sie isst, welche Musik sie hört, wie sie sich fühlt. Nach der Geburt ist sie meist die erste, die der Säugling riecht, hört, sieht und schmeckt. Und dennoch sagen Entwicklungspsychologen wie Lieselotte Ahnert von der Universität Wien, die sich mehr als 30 Jahre ihres wissenschaftlichen Lebens vor allem mit der Bindung zwischen Mutter und Kind beschäftigt hat, dass die Rolle, die ein Vater spielt, genau so wichtig für ein Kind sein kann wie die der Mutter oder einer anderen Bezugsperson. …“

Quelle / gesamter Artikel: FAZ
__

Unter diesem Link können Sie unsere Initiative unterstützen, hier können Sie uns in den sozialen Netzwerken folgen. Vielen herzlichen Dank!

Advertisements
Hinterlasse einen Kommentar

2 Kommentare

  1. Unter http://www.entmuttert.com bloggt eine entsorgte Mutter. Hilfestellung und Rat bei Sorgerechtsentzug, Hintergründe und Fakten…

    Gefällt 1 Person

    Antwort

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: