„Ist Vaterentbehrung ein Luxusproblem?“

Jeannette Hagen, zu deren aktuelles Buch „Die verletzte Tochter: Wie Vaterentbehrung das Leben prägt“ die Süddeutsche Zeitung unlängst ein Interview veröffentlichte, schreibt auf der Website „Vaterfreuden“:

„… Als meine Geschichte neulich in der Online-Ausgabe einer großen deutschen Tageszeitung erzählt wurde, tauchte in der Diskussion, die sich darüber entwickelte, mehrfach das Wort „Luxusproblem“ auf. Meist mit dem Beisatz, dass Vaterentbehrung doch wohl etwas sei, das viele kennen und da müsse man sich ja nicht so haben. Ich will dieses Argument aufgreifen, denn es beschreibt sehr treffend, warum Vaterentbehrung mit all den relevanten Folgen nach wie vor stattfindet, ja wir selbst immer wieder dafür sorgen, dass Kinder unter ihr leiden müssen.

Traurige Wahrheit

Vaterentbehrung ist Normalität. Aber es ist nicht nur das. Vielmehr zieht sich der Mangel an Väterlichkeit wie ein roter Faden durch alle Bereiche unseres Lebens und nur weil es schon so normal ist, meinen wir, dass man denen, die darunter leiden, nicht mehr zuhören müsste. Noch schlimmer, manche rufen es sogar als Idealzustand aus, seltsamerweise mit dem Argument, dass Kinder sich dann nicht so zerissen fühlen würden. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Taucht man erst einmal ein in die Materie, dann zeigt sich schnell, wie weitreichend die Folgen der Vaterentbehrung sind, wie viele Kinder und Erwachsene davon betroffen sind und wie schwer es heute selbst für Männer, die sich engagieren wollen, ist, Väterlichkeit wirklich zu leben.

[…]

Wenn ich zurückschaue, dann war die wohl prägendste Erfahrung für mich, dass ich nicht gewollt war. Dazu kam der Gedanke, ich selbst könnte schuld an diesem Umstand sein und die Scham darüber, dass alle einen Papa an ihrer Seite hatten, nur ich nicht. Ich fühlte mich nie richtig vollständig und spürte oft eine unendliche Sehnsucht nach einer tiefen Verbindung, nach einem Halt. Dazu kamen Selbstwertprobleme, die sich in vielerlei Hinsicht bemerkbar machten. Wenn ich also heute irgendwo lese, dass Väter per se entbehrlich wären, dass die Natur einzig allein die Mutter-Kind-Bindung für wichtig erachtet, dann frage ich mich immer, wie man zu solchen Schlüssen kommt. Ich sehe ein anderes Bild. Während meiner Recherchen zum Buch „Die verletzte Tochter“ habe ich mit vielen Menschen gesprochen. Sowohl mit Kindern, als auch mit Erwachsenen, die von Vaterentbehrung betroffen waren. Ein Punkt eint sie alle: eine tiefe Traurigkeit darüber, von einer Seite keinen Halt zu haben. …“

Quelle / gesamter Artikel: Vaterfreuden.de
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