„Streit mit dem Samenspender: Wir dachten, er weiß, was er tut“

Zwei lesbische Frauen bekommen mit Hilfe eines Samenspenders ein Kind. Doch nach der Geburt will der Mann plötzlich das Sorgerecht. Chronologie eines Albtraums.

Als Hannah im dritten Monat war, fing es an. Er gab ihnen die Telefonnummer einer Frau, die ebenfalls ein Kind von ihm erwartete, und erzählte ihnen, dass sie sich weigere, ihm ein Original-Ultraschallbild seines Kindes zukommen zu lassen. Daher bat er sie, dass sie diese Frau zur Besinnung brächten. Als sie sagten, sie hätten Mitgefühl für seine Probleme mit dieser Frau, wollten selbst aber erst nach der Geburt ihres eigenen Kindes Kontakt zu ihr aufnehmen, da sie gestresst seien, wurde das Verhältnis zu ihm schlagartig schlecht.

Er erklärte ihnen, er werde sie dafür bestrafen. Er versuchte, Linda wegzumobben und sich selbst als möglichen Partner für Hannah ins Spiel zu bringen. Er sagte über Linda, sie sei „nicht der Vater“, denn sie habe „keinen Schwanz in der Hose“. Und zu Hannah sagte er: „Du sollst dich aus Lindas kranken Klauen befreien.“ Linda sagt: „Er wollte sich zwischen uns drängen.“ Als sie darauf nicht reagierten, schrieb er: „Das ist ein Tritt in mein Gesicht. Ihr werdet euch noch an diesen Tag erinnern.“ Er wurde geradezu paranoid, er schrieb Briefe, kontaktierte flüchtige Bekannte von Hannah, rief alle Leute an, die ihren Nachnamen trugen, und machte so ihre Eltern ausfindig. Linda sagt: „Er schrieb nächtelang Mails, korrigierte sie wieder, schrieb noch mehr Mails mit dem Betreff: ‚Diese zuerst lesen‘ und korrigierte dann die korrigierte Fassung noch einmal.“

Die geheime Geburt

Vor lauter Stress wurde Hannah krankgeschrieben. Wenn Peiters anrief, weinten beide Frauen in den Hörer hinein, sie flehten ihn an: „Bitte, bitte, stimm der Adoption durch Linda zu.“ Doch er reagierte kalt, er sagte: „Das hättet ihr euch früher überlegen können.“ Und das Schlimme war: Das Recht war auf seiner Seite.

Das liegt an einer Regelung, die bei allen unverheirateten Müttern greift. Während bei Verheirateten, die eine Samenspende in Anspruch nehmen, automatisch der Ehemann der Mutter als Vater in die Geburtsurkunde eingetragen wird, ist das bei lesbischen Paaren anders. Denn sie können in Deutschland nicht heiraten, sondern sich nur verpartnern. So wurde Peiters nicht nur der biologische, sondern automatisch auch der rechtliche Vater von Hannahs Kind und hatte somit auch die Möglichkeit, vor Gericht das Sorgerecht zu beantragen. Nur durch die Stiefkindadoption, in die er vor der Zeugung eingewilligt hatte und die er nun verweigerte, würde Linda in seine Rolle schlüpfen und die zweite Mutter des Kindes werden können. …“

Quelle / gesamter Artikel: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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