„Kind und Karriere: Das Märchen von der Vereinbarkeit“

Ein Blick in die Schweiz:

„… In vielen Ländern Europas ist es ­inzwischen üblich, dass Mütter anspruchsvolle Berufe ausüben. Auch die Schweiz, lange Zeit ein Hort des klassischen Familienmodells – Hausfrau und Ernährer –, hat in den letzten Jahren deutlich aufgeholt: Seit 1992 ist der Anteil erwerbstätiger ­Mütter von 53 auf 77 Prozent gestiegen. Teilzeit­beschäftigte Männer sind weiterhin eine Minderheit […] Lydia Terrani, Präsidentin der Hausfrauen- und Hausmännergewerkschaft, mag gar nicht von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf sprechen: «Im besten Fall», sagt sie, «gelingt eine Kombination.» Die meisten brächten Kinder und Job gern unter einen Hut. Aber beim Realitäts­check werde den Frauen dann bewusst, worauf sie sich einliessen: «Frauen, die im Haushalt, im ­Büro und in der Kindererziehung ­einen guten Job machen wollen, ge­raten unter enormen Druck – doppelt so viel ­Arbeit und kaum Anerkennung und Unterstützung.»

[…]

Er Ernährer, sie Hausfrau – Bettina und Jean-Claude Schwarzen aus Winterthur haben es gar nicht erst anders versucht. Beide sind in Familien aufgewachsen, in denen die Mütter daheim waren. «Wir haben das als Kinder sehr geschätzt, und für uns war klar, dass wir das unseren Kindern auch bieten wollen.» Auf das Von-­Termin-zu-Termin-Hetzen, auf die Absprachen, wer wann welches Kind wo holt, hatten die beiden keine Lust.

«Natürlich wäre es schön ge­wesen», sagt Bettina Schwarzen, die Biologie studiert hat, «wenn wir Arbeit und Familie hätten teilen können.» Aber bei ihrem Arbeitgeber war ein Teilzeitjob nicht möglich. Und Jean-Claude Schwarzen, Engagement-­Manager in einer Technologiefirma, sagt: «Teilzeitmodelle in meinem beruflichen Umfeld bedeuten meist weniger Geld, aber nur ungleich weniger Arbeit.» So kam es, wie es meistens kommt: Sie stellte die Karriere zurück, und er sieht die Kinder vor allem an den Wochenenden.

[…]

«Dass Väter Teilzeit arbeiten, finde ich richtig», sagte sie, aber es dürfe nicht ausgeblendet werden, was an den ­restlichen sechs Tagen passiere. Und: «Väter, die 80 Prozent arbeiten, gelten als fortschrittlich. Aber Mütter mit ­einem 80-Prozent-Pensum müssen sich kritische Fragen anhören.»

Der Preis für den Konservatismus ist hoch: Fachkräfte fehlen, und gerade gut ausgebildete Mütter ziehen sich immer öfter ganz aus dem Arbeits­leben zurück. Letztes Jahr blieben 53000 Akademikerinnen zu Hause, 3000 mehr als im Jahr zuvor – und das, obwohl die Gesamtzahl der Hausfrauen sinkt. …“

Quelle / gesamter Artikel: Beobachter
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