Christian Ulmen im Gespräch: „Ich musste nie stärker und härter sein als als Vater“

„… Das Arrangement, dass der eine zu Hause bleibt und der andere arbeitet, steht ja in keinem Widerspruch zur Gleichberechtigung von Mann und Frau, solange die Aufteilung unabhängig von Geschlechterklischees geregelt wird. Es war ein anderes Arrangement als das, was ich jetzt habe. Meine Mutter hat zu Hause gearbeitet, ein kleines Kunstgewerbe betrieben. Mein Vater hat zwar um 9 das Haus verlassen und ist um 6 zurück gekommen, jeden Tag. Aber wenn wir krank waren, hat er die Nächte übernommen. Beim Kotzen helfen, die Brust eincremen – in meiner Erinnerung ist es immer mein Vater, der das macht.

Trotzdem ist bei Ihnen heute alles anders?

Die Abmachung ist, dass wir beide arbeiten gehen, meine Frau und ich – was ein organisatorischer Kraftakt ist. Wir haben Drehzeiten. Ich drehe insgesamt um die fünf Monate im Jahr, dann ist meine Frau hier. Wenn sie drehen muss, bin ich zu Hause. Wenn wir doch mal gleichzeitig Drehtage haben, kommen unsere Eltern und decken das ab.

[…]

Wenn meine Frau ein Interview gibt, dann stehen gleich Kommentare darunter: „Was fällt dir ein, arbeiten zu gehen, was bist du für eine schlechte Mutter.“ Oder sie bekommt E-Mails, meist von älteren Frauen, die sie wüst beschimpfen, weil sie arbeitet und nicht beim Kind bleibt. Die gar nicht wahrnehmen, dass es ja auch einen Vater gibt, der auch für Bindung zuständig sein könnte.

[…]

Wenn ich sofort wieder arbeiten gehe, ist das normal. Meine Frau bekommt bei der Arbeit hingegen auch mal zu hören: „Ach, du bist hier heute. Das ist ja nett, dass dein Mann sich auch mal um das Kind kümmert.“ Als sei klar, dass es sich da ja nur um eine Ausnahme und um einen besonders netten Mann handeln kann, wenn er ihr das mal abnimmt. […] Es ist eher so, dass die Leute es gar nicht glauben wollen, dass ich mich auch um unsere Tochter kümmere.

[…]

Peinlich wird es, wenn man ein Meeting verschiebt und das Kind wieder krank wird, meine Frau beim Dreh ist – und ich muss anrufen und sagen: „Tut mir leid, die Ohrenschmerzen sind wieder da“. Dann merke ich, wie die Leute denken: „Wenn du keinen Bock hast, dann sag es doch gleich.“

Sind es bestimmte Leute, die sich so verhalten?

Oft sind das Kinderlose oder Männer, die anders organisiert sind. Auch wenn man aus dem Meeting aufspringt und sagt: „Ich muss jetzt weg, weil ich meine Tochter abholen muss.“ Das scheint exotisch anzumuten! Wenn ich sagen würde, ich hätte einen Massagetermin, würde wahrscheinlich niemand reagieren. Aber: Die Tochter vom Kindergarten abholen. Huppala! Manche Leute finden es sogar seltsam, wenn ich meinen Sohn mal zur Arbeit mitgenommen habe. Es hat einen Senderchef gegeben, der hinter meinem Rücken murmelte: „Ha, der hat seinen Sohn dabei. Wie unsexy ist das denn!“ Darauf muss man erst mal kommen. …“

Quelle / gesamtes Interview: FAZ
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