„Krippenbetreuung ist Belastung für das Kind“

Aufgrund der dünnen Studienlage zu diesem wichtigen Thema verlinken wir nachfolgend auf ein bereits etwas älteres Interview mit dem Psychiater, Psychoanalytiker und Fachbuchautoren Hans-Joachim Maaz:

„… Die psychotherapeutische Forschung und Erfahrung, die Säuglings- und Kleinkindforschung und die Hirnforschung haben die Entwicklungsbedingungen des Kindes wissenschaftlich gesichert. Dabei ist vor allem die Qualität der ersten Beziehungserfahrungen für die Entwicklung des Kindes von zentraler Bedeutung. Die Mutter hat deshalb eine herausragende Wichtigkeit, weil sie durch Schwangerschaft, Geburt und Stillzeit die ersten Erfahrungen des Kindes nachhaltig prägt – bis zur Entwicklung des Gehirnes. Diese Bedeutung der Mutter kann in den ersten 3 Lebensjahren nicht ohne wesentliche Wirkung auf das Kind delegiert werden (z.B. auf den Vater, Geschwister, Großeltern, Tagesmutter, Krippenerzieherinnen). Jede Trennung des Säuglings von der Mutter bedeutet Stress für das Kind, der nur durch die Erfahrung, dass die Mutter sicher wiederkommt und zur Verfügung steht, gemildert werden kann. Deshalb ist eine Krippenbetreuung – je früher umso mehr – immer eine schwere Belastung für das Kind.

[…]

Es gibt in der Psychotherapie keinen erwachsenen Patienten, dessen Erkrankung nicht ihre Wurzeln in der frühen Kindheit hätte. In der DDR war Krippenbetreuung eine wesentliche Ursache für akute und spätere psychische und psychosomatische Erkrankungen. Krippenerziehung war schon wie eine „Diagnose“.

[…]

Krippenbetreuung bedeutet zu frühe Trennung von der Mutter, ungenügend individuelle Bestätigung des Kindes, begrenzte Empathie durch eine Fremdperson bzw. wechselnde Betreuungspersonen. Das Kind erlebt Angst, Bedrohung, Verlassenheit, Hilflosigkeit, mangelnde narzisstische Bestätigung als Ursachen für spätere Angst- und Panikzustände, Depressionen, Bindungsstörungen und vielfältige psychosomatische Störungen. Die Haupt-Erkrankungsbilder sind: Borderline-Störungen, narzisstische Persönlichkeitsstörungen und Neurosen. …“

Quelle / gesamter Artikel: Freie Welt
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2 Kommentare

  1. Philipp R.

     /  Juli 14, 2015

    Wie im Artikel genannt, ist die Studienlage ja leider relativ dünn. Folglich ist aber der Beitrag von Dr. Maaz vielleicht eine Expertenmeinung, aber eben auch keine Studie.
    Von daher wäre ich eher vorsichtig, Maaz‘ Meinung als gefestigtes Wissen zu interpretieren. Er tätigt in jedem Fall auch einige Aussagen, die eher zweifelhaft sind, insbesondere:
    „Dr. Maaz: Es gibt in der Psychotherapie keinen erwachsenen Patienten, dessen Erkrankung nicht ihre Wurzeln in der frühen Kindheit hätte. In der DDR war Krippenbetreuung eine wesentliche Ursache für akute und spätere psychische und psychosomatische Erkrankungen. Krippenerziehung war schon wie eine „Diagnose“.“
    Das ist vielleicht die Meinung der Psychoanalyse oder Tiefenpsychologie, die aber unter Psychologen auch nicht den höchsten Stand hat, da sie empirisch nicht nachgewiesen ist (bzw. im Kern nicht nachweisbar ist). Tatsächlich geben Klassifikationslisten psychologischer Erkrankungen (z.B. ICD10) typischerweise keinen Grund für die Erkrankung an, sondern klassifizieren anhand von Diagnosen. Dass also bei allen psychischen Erkrankungen die Gründe in der Kindheit liegen, ist zumindest kein wissenschaftlicher Konsens.
    Ferner gibt es ja auch Gegenbeispiele z.B. die Vererbbarkeit von psychischen Krankheiten (Schizophrenie, zum Teil auch Depression). Es gibt also Krankheiten, die genetische Wurzeln haben (was natürlich nicht ausschließt, dass Vernachlässigung in der Erziehung diese Prädisposition nicht noch fördern kann).

    In der Tat gibt es aber ja auch scheinbar einige Studien insbesondere zu der Situation in der DDR (auf Wikipedia sind z.B. einige verlinkt). Diese finde ich in jedem Fall nachvollziehbarer und überzeugender als eine Expertenmeinung und eignen sich meiner Meinung nach eher, um Leute zu überzeugen, die der Meinung sind, Krippenbetreuung sei gänzlich unkritisch zu sehen.

    Gruß,
    Philipp

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