„Loyalitätskonflikt – wie schütze ich mein Kind?“

„… Tatsächlich ist es beinahe unmöglich, ein Kind im Trennungsfall völlig vor einem Loyalitätskonflikt zu schützen, wenn nicht eine sehr friedliche, freundschaftliche Trennung durchlebt wird. Je nach Persönlichkeit des Kindes kann dieser schon durch den Auszug eines der Elternteile ausgelöst werden – wahlweise in Form von Wut dem gegenüber, der die Familie „verlässt“ oder umgekehrt, der oder dem gegenüber, der/die das Kind vom anderen „weg bringt“, seltener gibt es Schuldzuweisungen an denjenigen, der nicht geht, er oder sie haben den/die andere/n „vertrieben“. Der Loyalitätskonflikt entsteht in dem Augenblick, in welchem das Kind Schuld und Recht zwischen den Eltern verteilt. Damit geht einher, dass der jeweils andere Elternteil wohl im Unrecht sein muss bzw. den- oder diejenige keine Schuld trifft. Es entstehen die ersten Ansätze eines schwarz-weiß-Bildes, in dem ein „guter“ und ein „böser“ Elternteil auftreten.

[…]

Viel zu oft werden Kinder von Elternteilen gefragt, bei welchem Elternteil sie lieber leben möchten oder bei wem es ihnen besser gefällt. Häufig nicht einmal im Kontext einer tatsächlichen Auseinandersetzung um den dauerhaften Aufenthalt des Kindes, sondern in Form eines „Fishing for Compliments“. Das verletzte Ego möchte hören, dass das Kind viel lieber bei uns ist. Dass wir uns besser darum kümmern und es uns – in der Quintessenz – lieber mag als den anderen Elternteil.

Genau hier beginnt allerdings die Sortierung in einen „besseren“ und einen „schlechteren“ Elternteil. Ein Kind kann bis zu einem gewissen Alter gar nicht erfassen, was es bedeutet, bei einem oder dem anderen Elternteil dauerhaft zu leben und danach kann es dieselbe Frage in aller Regel nicht entscheiden. Das Kind selbst denkt nicht tatsächlich darüber nach, wo es sich „wohler“ fühlt oder besser gefördert wird.

[…]

Aus diesem Grund sollten solche Fragen ausschließlich von für das Kind neutralen Dritten wie dem Verfahrensbeistand oder einem Richter/einer Richterin in Abwesenheit der Eltern gestellt werden – und tatsächlich fragen just diese Personen nie so direkt, weil sie sich des Problems um den Loyalitätskonflikt bewusst sind. Stattdessen wird das Kind dazu befragt, was ihm bei Papa oder Mama gut oder weniger gut gefällt oder wie es sich vorstellen würde, wie es wäre, bei dem Elternteil zu leben, bei dem es zum Zeitpunkt nicht überwiegend lebt. Niemals wird das Kind aufgefordert, Partei für eines der Elternteile zu ergreifen oder sich für oder gegen ein Elternteil zu entscheiden. …“

Quelle / gesamter Artikel: Trennung mit Kind
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2 Kommentare

  1. Noch ein Entfremdeter

     /  August 14, 2015

    Soweit zur Theorie. In der Praxis ist es leider so, dass es Richtern an Familiengerichten von Haus aus an jedweder psychologischen Expertise fehlt. Wenn sie sich nicht aus einem persönlichem Interesse heraus privat fortbilden, machen sie in ihrer Rolle als Entscheider über das Wohl und Wehe von Kindern und Eltern genau so viele Fehler, wie sie jedem anderen psychologischen Laien in derselben Situation ebenfalls unterlaufen würden. Kein juristisches Staatsexamen schließt beispielsweise einen Kurs über die sehr spezielle Gesprächsführung mit Kindern ein.

    Hinzu kommt, dass Richter beileibe keine neutralen Dritten sind. Sie unterliegen in ihrer Rolle genauso Übertragungs- und Gegenübertragungsprozessen wie jeder Berufstätige aus dem psychosozialen Kontext. Weil sie aber keinerlei theoretisches Wissen darüber besitzen und auch keine praktische Erfahrung, wie man mit Übertragungen umgeht, handeln sie intuitiv. – Und damit versinken sie zwangsläufig in den Abgründen all der Übertragungs- und Gegenübertragungsfallen, die sich im Gemengelage der gerichtlichen Verhandlung in unüberschaubarer Zahl vor ihnen auftun.

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