„Ich bin der Zahlvater – und es kotzt mich an“

„… Es war der schlimmste Moment meiner Vaterschaft, als ich meiner Freundin gestand, was ich mir lange verboten hatte, zu denken: „Es wäre besser gewesen, wenn ich meine Kinder nicht bekommen hätte.“ Schweigen. Zigarette. Selbstvorwürfe. Es war der Endpunkt eines langen Zermürbungskrieges.

Ich habe drei Kinder, zwei davon sind heute schon fast erwachsen, eines ist mitten in der Pubertät. Als meine Ex-Frau und ich uns trennten, ging der Kleine noch nicht in die Schule. Zehn Jahre ist das jetzt her. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich wollte immer Kinder. Ich liebe meine Kinder. Und ich wäre niemals an diesen Punkt gekommen, wenn wir uns nicht getrennt hätten.

So aber bin ich finanziell immer am Rande des Ruins. Seit zehn Jahren. Obwohl ich hart arbeite und (mittlerweile) einen guten Job habe. Obwohl ich mir eigentlich nie etwas außer der Reihe leiste. Ich bin reduziert auf die Rolle des Zahlvaters. Ich werde angerufen, wenn etwas schief läuft, um die Kohlen aus dem Feuer zu holen. Und jedes Mal, wenn meine Kinder nach einem Besuch wieder gehen, wenn sie sich umdrehen und „Tschüss Papa“ sagen, gibt es mir einen heftigen Stich und mir kommen die Tränen.

[…]

Ich suchte Rat beim Jugendamt, aber die Damen waren immer reflexartig auf der Seite der Mutter. Ihre Briefe bezüglich des Unterhaltes waren und sind noch heute in einer derart herabwürdigen Art und Weise verfasst, als wäre ich ein notorisch zahlungsunwilliger Zechpreller. „Sollte eine Frist nicht eingehalten werden“… „setzen wir Sie in Verzug“…

Das emotionale und finanzielle Risiko ist für Väter extrem hoch

Ich befinde mich nun seit zehn Jahren in einer Situation, die mir als getrenntem Vater pauschal unterstellt, ich hätte Schuld. Ich bekomme die schlechte Steuerklasse, obwohl meine Ex-Frau auch stets gearbeitet hat, zudem in ähnlicher Position. Ich kann den Unterhalt nicht absetzen. (Kreditraten für einen Porsche könnte ich absetzen, Unterhalt jedoch nicht. Das wird vom Amt mit der zynischen Begründung verwehrt, die Summe wäre schließlich bereits um die Hälfte des Kindergeldes bereinigt.) Der Betreuungsfreibetrag wird mir nicht gewehrt, da die Kinder nicht bei mir gemeldet sind.

Wie gesagt eine Illusion. In ihren Augen war ich derjenige, der gegangen war, meine Version und die Hintergründe unserer Trennung interessierte sie nicht, oder überforderte sie. Das Ohnmachts- und Demütigungsgefühl wuchs über die Jahre so sehr, dass ich letzten Endes zu der Einsicht gelangt bin, dass das mit Kindern verbundene emotionale und finanzielle Risiko in einer Gesellschaft, in der Trennungen an der Tagesordnung sind, speziell für getrennt lebende Väter extrem hoch ist. …“

Quelle / gesamter Artikel: Die Welt
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