„Alltag im Jugendamt – Daheim, weg, daheim, wieder weg“

„Kinder brauchen Klarheit, sagt das Jugendamt. Im Fall von Ashley, Vivian und Jeremy ist das gründlich schiefgegangen. Sie leben nun schon zum zweiten Mal in staatlicher Obhut. Doch geht es ihnen dort besser?

[…]

Wo keine verlässlichen Informationen vorliegen, müssen Mutmaßungen herhalten, etwa in Bezug auf Schneiders Biographie. Womöglich sei ihre erste Beziehung zu einem Mann „von Gewalt, physisch und / oder psychisch geprägt“ gewesen. Beleg? Fehlanzeige. Gleiches gilt für Gewalt den Kindern gegenüber. Es sei „durchaus denkbar“, dass Schneider in Situationen der Überforderung „die Kinder auch einmal schlägt, jedoch nicht prügelt“. An anderer Stelle schreibt die Gutachterin, „auch grobes Anfassen der Kinder“ sei in Extremsituationen nicht auszuschließen. Aber was lässt sich schon mit Sicherheit ausschließen? Anzeichen von Schlägen seien jedenfalls nicht zu finden gewesen.

Die Liste der Mutmaßungen ließe sich fortsetzen, aber am Ende steht kein gutes Ergebnis für die Mutter. „Eingeschränkt erziehungsfähig“, urteilt die Prüferin im ersten Gutachten. Für das Jugendamt ist das ein klarer Hinweis auf große Probleme der Mutter, für sie wiederum zählt vor allem das „erziehungsfähig“.

[…]

Der Richter möchte nicht über diesen Einzelfall sprechen. Er will in diesem Kontext auch nicht allgemein über das Thema Kindeswohl sprechen, was sehr schade ist. Denn der Richter, der mitbeschlossen hat, Ashley, Jeremy und Vivian fürs Erste von ihrer Mutter zu trennen, ist ein Fachmann, wie es ihn in Deutschland kaum ein zweites Mal gibt. Vorträge über den komplizierten Widerstreit zwischen staatlicher Wächterfunktion und Elternrechten kann er halten, ohne sich zu verhaspeln, ohne „Ähs“ und „Ähms“. Der Mann ist eine Koryphäe unter den Familienrechtlern, gibt eine Fachzeitschrift zur Jugendhilfe mit heraus. An der Hochschule Frankfurt lehrt er Kindschaftsrecht. In ihrem Beschluss wägt die Kammer fein ab, kommt aber zu einem klaren Schluss. „Problemfamilien“ dürften nicht immer neue Chancen bekommen, es dürften nicht immer neue Hilfsmöglichkeiten ausprobiert werden, „so dass das Kind zum Versuchsobjekt staatlicher Familienrehabilitierung wird“. Das Elternrecht in der Verfassung diene vor allem dem Wohl des Kindes. Und das könne Andrea Schneider nicht sichern, obwohl sie sich bemühe. …“

Quelle / gesamter Artikel: FAZ
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