„Vaterschaft ist ein komplett blinder Fleck“

In der „Welt“ von heute erschien anlässlich Ralf Bönts neuem Roman „Das kurze Leben des Ray Müller“ ein interessantes Interview, welches die Vaterschaft thematisiert:

„… Ihr zweites Anliegen, das Sie schon mit Ihrem Manifest „Das entehrte Geschlecht“ verfolgten, ist das Recht aufs Vatersein.

Es geht um Aufgehobenheit und Ankommen und hat auch viel mit persönlichen Erfahrungen zu tun. Beim ersten Kind habe ich nach zweieinhalb Jahren zu meiner damaligen Frau gesagt, ich habe keine Beziehung zum Kind – und auch keine mehr zu dir. Ich sitze am Wochenende in meinem Büro und schreibe Artikel, damit wir die Miete bezahlen können. Und wenn ich in die Küche komme, sagt das Kind: Papa soll wieder rausgehen. Das war für mich kein Konzept. Ich hatte die Physikerkarriere ja auch aufgegeben, um ein Kind zu haben – hatte es dann aber doch nicht.

Haben Sie das Gefühl, mit Ihren Forderungen für eine Mehrheit der Männer zu sprechen?

Das vielleicht nicht. Aber die Minderheit ist doch groß genug, dass sie vertreten werden sollte. Ich möchte, dass die, die mehr klassisch „weibliche“ Dinge in ihrem Leben haben wollen, es in Zukunft leichter haben.

[…]

Sie haben geschrieben, dass Sie den intensiven Kontakt zum Kind als Geschenk des Feminismus empfinden.

Das haben mir die Scheidungsväter aber sehr übel genommen. Man las es auch als Selbstlob. Es gibt da draußen natürlich viele Väter, die ihre Kinder nicht sehen können oder deren Vaterschaft gar nicht erst anerkannt wird. Es gibt sogar Männer, die einen automatischen Vaterschaftstest fordern. Dann würde man diese zwanzig Prozent Kuckuckskinder finden. Diese Debatte zeigt, wie asymmetrisch Elternschaft ist, entgegen aller sogenannten Gendertheorie.

Wie bitte? Zwanzig Prozent?

Es sind ganz sicher zehn Prozent, aber wahrscheinlich zwanzig. Ich habe mit Frauenärzten gesprochen, die mehrmals in der Woche Paare in der Praxis haben und wissen, dass das Kind auf dem Ultraschallbild nicht von dem anwesenden Mann ist – weil die Frauen ihm das beichten. Herkunft ist ja das eigentliche Thema in meinem Roman, sowohl für Marko wie für sein Gegenüber, Nele Black, die ihren leiblichen Vater nicht kennt und vom Scheinvater zerstört wird. Bei allerlei öffentlichen Debatten über Herkunft und Heimat ist die engste und kritischste, Vaterschaft, ein komplett blinder Fleck. Wir erlauben Samenspenden für zwanzig Euro, das finde ich skandalös! Kinder haben ein Recht darauf zu erfahren, wer ihr Vater ist. …“

Quelle / gesamtes Interview: Die Welt
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