„Trennungskinder und die Narben auf ihrer Seele“

Auf dem „Stiefmutterblog“ erschien gestern eine für unzählige Fälle exemplarische Lebensgeschichte, die unter die Haut geht:

„… Als es zur Scheidung der Eltern kam musste ich auch einmal mit auf das Gericht, meine Mutter sagte mir vorher, was ich sagen sollte: dass “ich nicht zum Vater wollte”. Es wurde auch nur schlecht über ihn gesprochen, “Das A….., der Sch……hat die Frau mit 4 Kindern sitzen lassen”. Ich dachte in dieser Zeit eigentlich immer, dass alles bald wieder in Ordnung kommt, die Trennung bestimmt nur vorübergehend sei und er demnächst wieder käme. Meine Mutter hetzte derweilen uns Kinder auf, ihn weiter zu ärgern. Ich kann mich erinnern, dass wir mal Kieselsteine unter den Abtreter gelegt hatten.

Es ist seltsam, aber wir haben als Geschwister auch nicht über diese Trennung gesprochen, wir “funktionierten” einfach. Meine Brüder waren damals 14 und die Zwillinge 9 Jahre alt. Es war eigentlich nur ein Alptraum, bis mein Vater irgendwann weggezogen war. Das bekam ich auch nur zufällig mit, ich hatte ja keinen Kontakt mehr zu ihm und seiner Frau. Heute weiß ich, dass er sie geheiratet hatte, irgendwann nachdem meine Eltern geschieden waren.

[…]

So lebte ich also vor mich hin, lernte irgendwann meinen jetzigen Mann kennen. 1993 wurde unser Wunschkind geboren. Die Jahre vergingen. Ich fühlte irgendwie eine “innere Leere” in mir und eine unstillbare Sehnsucht meinen Vater zu finden. 2004 machte ich mich auf die Suche. Im Internet und Telefonbüchern fand ich ihn nicht. Aber dann bekam ich die Adresse über das Einwohnermeldeamt. (Wie einfach….) Also schrieb ich ihm einen langen Brief. Es kam keine Antwort, keine Reaktion. Ich war sehr traurig.

Ich hatte dann Depressionen, Burnout, Essstörungen, wandte mich an eine Psychiaterin und es begann eine langwierige Therapie und 6-wöchige Reha-Maßnahme. Ok, dachte ich, das wird schon wieder. In meiner “Kernfamilie” war ja alles in Ordnung, außer dass unser Sohn ADHS hatte und wir auch einige Hilfsangebote annahmen. 2006 startete ich einen zweiten Versuch meinem Vater zu kontaktieren. Diesmal schickte ich ihm Fotos von mir mit, und was soll ich sagen: ich bekam Antwort per Mail.

Das war schon sehr komisch. Wir mussten uns ja erstmal annähern und schrieben uns ca. vier bis fünf Monate bevor wir uns das erste Mal trafen. Die Mails waren zunächst sehr zurückhaltend, er hatte Angst wie er mir dann später sagte, dass er wieder an den “Pranger” gestellt würde.

[…]

Nach einiger Zeit berichtete ich meiner Mutter davon, dass ich meinen Vater gefunden und auch mit ihm Kontakt habe. Sie flippte völlig aus. Wie ich ihr das nur antun könne, er hätte sie schließlich sitzen lassen mit 4 Kindern. Außerdem sei er ja wegen uns Kindern gegangen, weil ihm alles zu viel war. Sie ließ auch kein gutes Haar an seiner Frau. Nun hatte ich das nächste Problem. Ich habe versucht zu erklären, dass ich ein Recht auf meinen Vater hätte, das ich die ganze Zeit einen Vater gehabt hätte, ihn nur nicht hätte sehen dürfen und das es nun doch wohl meine Sache wäre.

[…]

Im letzten halben Jahr habe ich mich verstärkt mit dem Thema “erwachsene Scheidungskinder” befasst. Dabei bin ich auf “PAS” gestoßen. Ich nehme an, das sagt dir was, glaube auch, das in deinem Blog schon mal gelesen zu haben. Jedenfalls trifft meine Situation dieses Syndrom auf den Punkt und ich glaube meine Brüder leiden auch darunter. Nur wissen sie wohl nichts davon. Ich weiß heute, dass meine Eltern ihre Scheidung immer noch nicht verarbeitet haben, das meine Mutter denkt ihre Kinder seien “ihr Besitz”.

Ich glaube, meine Mutter versteht bis heute nicht was sie damit angerichtet hat. Sie sieht sich immer noch als Opfer. Mein Vater hatte damit abgeschlossen. Er hatte Angst, dass er wieder denunziert würde und sich eingeredet, die Kinder würden weit weg leben, aber es ginge ihnen gut. Er hat mir später nur gesagt, dass er sehr froh war, das ich ihn gesucht hätte. …“

Quelle / gesamter Artikel: Stiefmutterblog
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Bitte unterstützen Sie unter diesem Link unsere Initiative. Vielen herzlichen Dank!

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2 Kommentare

  1. Danke für diesen Artikel und den Hinweis auf den Stiefmutterblog, den ich u.a. auch aus persönlichen Gründen gerne hier verlinkt habe: Persönliches: Trauerfall

    Auch ich kenne diese PAS-Thematik und stelle fest, dass es auch ältere Kinder, jenseits der Pubertät noch erwischen kann. Und ich habe selbst erlebt, wie mein Mutter ihren Hass auf meinen Vater jahrzehntelang wie eine Bugwelle vor sich herschob. Ihre Anwürfe, „.. wie kannst du mit diesem Schw… noch reden“ gellen mir heute noch in den Ohren.

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