Trennung und Scheidung: eine Checkliste für Trennungseltern

Wir verweisen auf eine außerordentlich lesenswerte Checkliste der Diplom-Psychologin, Diplom-Sozialpädagogin, Kinder- und Familientherapeutin und Mitautorin unserer 2010 veröffentlichten Anthologie „Kinderherz – Familien zwischen Ausgrenzung und Aubruch“ Ursula Kodjoe für Trennungseltern, bei denen das Kind nach der Trennung vom Ehe- oder Lebenspartner überwiegend lebt:

„… 1. Denke ich: Kinder brauchen im allgemeinen schon beide Eltern – aber das trifft auf uns nicht zu, mit diesem Vater/dieser Mutter ist das nicht möglich, nicht nötig oder gar schädlich für das Kind?

2. Rede ich mir selbst ein, das Kind brauche seine Ruhe vor dem Vater/der Mutter, obwohl es im Grunde genommen endlich Ruhe braucht vor unserem Streit und vor der Feindseligkeit zwischen uns?

3. Kläre ich mein Kind schonungslos offen und ehrlich auf über die „wahren“ Hintergründe der Scheidung seiner Eltern, auch wenn es dadurch ein negatives Bild vom anderen Elternteil vermittelt bekommt? Hat das Kind Zugang zu den Scheidungsakten, liest es Anwaltsbriefe? Wird es von mir „auf dem Laufenden“ gehalten?


4. Halte ich es für mein gutes Recht, über den Umgang und damit über die Beziehung des Kindes zum anderen Elternteil alleine zu bestimmen, ihn zu „erlauben“ oder auch nicht, ihm das Kind zu „geben“ oder auch nicht?

5. Macht es mir Angst, macht es mich traurig, macht es mich zornig, wenn mein Kind sich auf den anderen freut (obwohl er/sie mir so viel angetan hat)? Reagiere ich traurig oder gekränkt, wenn mein Kind erzählt, wie viel Spaß es mit dem anderen hat? Freut es mich insgeheim, wenn es sagt, es wäre viel lieber bei mir geblieben? Oder hat mein Kind bereits aufgehört, spontan und unbefangen über gemeinsame schöne Erlebnisse mit dem anderen Elternteil zu erzählen?

[…]

Je mehr der Fragen mit „ja“ beantwortet werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass über das Kind unbewältigte eigene Gefühle aus der zerbrochenen Partnerschaft, wie tiefe Verletztheit, Verlust an Selbstwert, Trauer, Verlassenheit, Enttäuschung, Ängste, Wut und auch Rachsucht ausgelebt und abreagiert werden. Viele dieser Gefühle stammen möglicherweise noch aus der eigenen Ursprungsfamilie und dort erlebten schmerzlichen Erfahrungen von Trennung und Zurückweisung.

Zu Beginn des Trennungsprozesses kommt ein gewisses Maß an unbedachter Beeinflussung der Kinder gegen den verlassenen oder verlassenden Partner bei so gut wie allen Eltern vor. Im Laufe der Verarbeitung der Trennung nimmt diese Tendenz jedoch ab und den Eltern wird klar, wie sehr gerade jetzt ihre Kinder die Versicherung brauchen, dass sie von keinem der beiden wichtigsten Menschen in ihrem Leben „geschieden“ werden.

Wenn jedoch ein Elternteil dem Kind gegenüber vom anderen ein verachtenswertes Feindbild zeichnet, wird diesem Kind ein Schaden zugefügt, der kaum jemals wieder gutzumachen ist. Die von einem Elternteil erwartete und vom Kind befolgte Abwertung, Ablehnung und Zurückweisung des anderen Elternteils hinterläßt in der Kinderseele tiefe Spuren. …“

Quelle / gesamter Artikel: Ursula Kodjoe
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