Zur Generationenlast des Vaterbildes

In der bereits besprochenen Compact-Ausgabe Nr. 40, „Männer verstehen“, der „Psychologie heute“ kommt der Professor für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie Matthias Franz auf die Generationenlast des Vaterbildes zu sprechen. Ein Auszug:

„… Zusätzlich haben vier deutsche Vätergenerationen zu einer Entwertung des Vaters beigetragen. Da ist zunächst die patriarchalisch-wilhelminische Vaterautorität, die den Kulminationspunkt männlicher Identität auf dem „Feld der Ehre“ im Töten oder Sterben für das Vaterland fantasierte. Es folgt die Generation der nationalsozialistischen Vernichtungsväter, die als Täter wie als Opfer von den Söhnen nicht ohne Verwundungen verinnerlicht werden konnten, anschließend der tote Vater der Nachkriegszeit und schließlich der heutige, nach elterlicher Trennung abwesende Vater. Diese Jahrhundertgenealogie unseres Vaterbildes ist eine transgenerational weitergegebene Last. Sie erschwert die Identitätsbildung vieler Jungen und Männer bis heute. …“


Ergänzend hierzu: die österreichische Psychotherapeutin, Dozentin und Fachbuchautorin Dr. Silvia Dirnberger-Puchner erkannte in ihren Forschungen bereits vor Längerem, dass die familiäre Gewalttätigkeit und Härte heimgekehrter Kriegsväter zum überwiegenden Teil der Unfähigkeit, erlebtes Leid und erlittene Traumatisierung konstruktiv zu bewältigen, geschuldet war.
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2 Kommentare

  1. Ich will ja jetzt nicht mit „blaming the victim“ ankommen, aber die Verantwortung dafür allein bei den individuellen Vätern zu sehen, obwohl doch offensichtlich ist, dass es dabei nicht um individuelle, sondern um kollektive Schuld („der Vater“ der wilhelminischen Ära, „der Vater“ der nationalsozialistischen Ära usf.) geht, ist doch stark simplifizierend.
    Es wurde mittlerweile gerade am Beispiel des Vorabends zum Ersten Weltkrieg nachgewiesen, wie sehr die Konstruktion von Männlichkeit als ehrenhafter Kanpf (und Tod) für das Vaterland politisch vorangetrieben wurde, um eben eine breite Mobilisierung der Männer zu erzeugen, und das durchaus nicht nur für Deutschland, sondern für alle am Krieg beteiligten Nationen.

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    • Die vermeintliche Einseitigkeit ist uns auch aufgefallen, war aber nicht Franz‘ Intention. Das Zitat entstammt einem kleinen Fußnoten-Text zu nach seinen eigentlichen Ausführungen, und die lassen keine Zweifel an seiner proväterlichen Wissenschaftlichkeit erkennen. Bedauerlich ist nur, dass das Kriegsvaterschaftsthema bisher generell zu wenig erforscht wurde.

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