„Der Mann kann heute alles nur noch falsch machen“

„… Sie, Herr Hollstein, bemängeln, dass es zu wenige Institutionen für den Mann gibt. Ist es symptomatisch, dass es keine Männerärzte gibt?
Hollstein: Ja, und es gibt zwei Gründe dafür: Frauen treten viel vehementer für ihre Interessen ein. Männer hingegen fordern fast gar nichts. Das Gros der Männer spielt das starke Geschlecht, das keine Probleme hat. Der zweite Grund ist, dass die Politik Männeranliegen vernachlässigt oder gar nicht zur Kenntnis nimmt. Was sich in Basel Gleichstellungsbüro nennt, ist nichts anderes als Frauenpolitik.

[…]

Ist die Emanzipation für Sie eigentlich die Urkatastrophe des Mannes?
Hollstein: Nein. Bis zur Emanzipation der Frau war der Mann in einem sehr engen Rollenkorsett. Wir mussten leistungsstark sein, dominieren, Status und Macht erringen – und bei all dem durfte man nicht jammern und nicht krank sein. Das war Mannsein bis in die 70er-Jahre. Dass sich diese Schablone aufgelockert hat, finde ich gut. Man sollte die Männer aber auch mal fragen, was ihre wirk­lichen Bedürfnisse sind. Heute ist es so, dass ihnen alles oktroyiert wird: Männer müssen für Frauenquoten in den Verwaltungsräten sein, für Teilzeitarbeit und so weiter. Diese Entwürfe kommen alle von einer linken, vielleicht gut gemeinten, aber nicht sehr sinnvollen Frauenpolitik.

[…]

Was sind die Probleme der Männer in der heutigen Zeit, und welche Männer sind betroffen?
Hollstein: Von der Veränderung der Männlichkeit, vom neuen Umgang mit Frauen und dem Kürzertreten von alten Machtansprüchen sind alle Männer betroffen. Es gibt einen Feminismus, der ein sehr simples Bild von Männern hat: Männern geht es gut, Männer haben Macht. Aber selbst vielen sehr mächtigen Männern geht es nicht gut. In den letzten Jahren hatten wir in der Schweiz einige Selbstmorde von Top-Wirtschaftsleuten. Es gibt Untersuchungen aus den USA, die belegen, dass Männer in Machtpositionen überdurchschnittlich von Depressionen betroffen sind. Die simple Formel «Den mächtigen Männer geht es gut», die stimmt nicht.

Dass Leute, die viel Verantwortung haben und schwierige Entscheidungen treffen müssen, auch Probleme haben, ist doch klar. Hat sich die Situation von mächtigen Männern verschlechtert?
Hollstein: Sie wurde bisher zumindest nicht thematisiert. Am verschissensten dran sind aber die Männer der Unterschicht. Wer heute keinen höheren Schulabschluss und keine Berufsausbildung hat, ist chancenlos. Es entsteht zunehmend ein Getto von jüngeren, proletarisierten Männern, die aus der Gesellschaft katapultiert werden. Diese Entwicklung ist gefährlich. …“

Quelle / gesamter Artikel: Tagesanzeiger
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