Antwortschreiben des Deutschlandfunk

Vom Deutschlandfunk erreichte uns auf unsere Reaktion zur Sendung über häusliche Gewalt eine Mail, die gern seitens unserer Leser per eMail an die Verfasser (Michael.Roehl@Deutschlandradio.de) beantwortet werden kann:

„… herzlichen Dank für Ihr Schreiben vom 09. 02. 2015. Darin beklagen Sie,  dass in der Sendung Lebenszeit am vergangenen Freitag die Perspektive der Moderatorin sowie der Gäste zu einseitig gewesen sei: Die Sendung habe der voreingenommenen Meinung Vorschub geleistet, dass häusliche Gewalt fast ausschließlich von Männern ausgehe.

Tatsächlich wurde in der Sendung die Opferrolle mehrheitlich Frauen zugeschrieben. Diese journalistische Herangehensweise basiert auf den Erfahrungen z.B. von Polizei und Politik. Die Polizeilichen Kriminalstatistik (siehe: www.polizei-beratung.de) versteht unter häuslicher Gewalt  Gewalttaten, „die fast ausschließlich von Männern an Frauen begangen werden“. In ähnlicher Weise nimmt auch die Politik hier eindeutig Stellung.  So formuliert die niedersächsische Landesregierung: „Ganz überwiegend werden Frauen Opfer von männlicher Gewalt.“


Doch in der Sendung wurde auch die andere Seite beleuchtet: Ausdrücklich gingen sowohl die Moderatorin als auch die Gäste darauf ein, dass auch Männer Opfer häuslicher Gewalt werden können. Zudem kam ein Hörer zu Wort, der seine Erfahrung, als Kind von Frauen misshandelt worden zu sein, ausführlich dargestellt hat. Das Thema kindliche Misshandlungen wurde bewusst nicht weiter ausgeführt, da unter dem Begriff häusliche Gewalt vor allem die Gewalt zwischen erwachsenen Personen in häuslicher Gemeinschaft im Vordergrund steht.

Die von Ihnen angesprochenen Studien, welche eine stärkere Rolle der Frau als Täterin häuslicher Gewalt belegen sollen, sind in der Fachwelt wissenschaftlich umstritten.

Im Genderreport des Bundesfamilienministeriums heißt es dazu:

„Dunkelfeldstudien zeigen: Von körperlicher Gewalt in heterosexuellen Paarbeziehungen scheinen Männer zunächst – rein quantitativ – in annähernd gleichem Ausmaß wie Frauen betroffen zu sein. Werden aber der Schweregrad, die Bedrohlichkeit und die Häufigkeit erlebter Gewaltsituationen einbezogen, dann zeigt sich, dass Frauen häufiger von schwerer und in hoher Frequenz auftretender Gewalt in Paarbeziehungen betroffen sind.“

Mit Ihrem Schreiben haben Sie den Wunsch verbunden, die Perspektive der Männer als Opfer häuslicher Gewalt in Sendungen des Deutschlandfunks stärker zu berücksichtigen. Gerne werden wir dafür Sorge tragen, diese Perspektive bei zukünftigen Programmen zum Thema häusliche Gewalt aufzugreifen und einzubeziehen.

Insofern danken wir Ihnen nochmals herzlich für Ihr Schreiben und verbleiben

mit freundlichen Grüßen

 

Andreas Stopp und Michael Roehl

Redaktion Lebenszeit

Deutschlandfunk
Raderberggürtel 40, 50968 Köln
www.deutschlandfunk.de

Unsere Antwort darauf:

„Sehr geehrter Herr Stopp und Herr Roehl,

für Ihre Reaktion vielen Dank. Da wir uns seit vielen Jahren im Forschungs- und Spannungsfeld häuslicher Gewalt bewegen, möchten wir Sie abschließend einmal mehr bitten, sich von alten Wahrnehmungsmustern auch öffentlicher Stellen zu lösen und den tatsächlichen Entwicklungsstand zu recherchieren. Wie erwähnt gibt es hunderte von – in der Tat nur zu einem Bruchteil – umstrittenen wissenschaftlichen Studien, die eine Gleichverteilung häuslicher Gewalt festhalten. Darunter Studien prominenter Stellen wie des Bundesfamilienministeriums, des Robert-Koch- sowie des Niedersächsischen Kriminologischen Institutes. In der Kritik stehen demgegenüber Studien zur häuslichen Gewalt, die beispielsweise mit Suggestivbefragungen entstanden sind.

Sie sind journalistischer Ethik verpflichtet, diese lassen Sie bedauerlicherweise auch in Ihrer Antwortmail vermissen. Wir wünschen Ihnen, nie in einer starren Wahrnehmung zu verharren; Ihre Hörer haben ein Recht auf Wahrheit und Ausgewogenheit.

Ihr Schreiben stellen wir auf unserem Internetangebot zur Disposition. …“
__

Bitte unterstützen Sie unter diesem Link unsere Initiative. Vielen herzlichen Dank!

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