Tagungsbericht „Die neuen Väter und ihre Unternehmen“

Neben ca. 200 Teilnehmer aus Wirtschaft, Politik, Verwaltung, Jobcenter, Vereinen und Verbänden nahm unter anderem auch ein Mitglied unserer Güstrower Initiative an der Veranstaltung „Die neuen Väter und ihre Unternehmen“ des Bundesfamilienministeriums sowie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages am 14. Oktober in Berlin teil.

Das Thema „neue Väter“ (als Bezeichnung für Väter, die mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen wollen) ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen.

Prof. Dr. Hans Bertram, Humboldt-Universität Berlin, zeigte aus soziologischer Sicht die Veränderung der Arbeitswelt auf und dass die Arbeitnehmer einerseits beruflich tätig sein wollen, andererseits mehr Zeit für ihre Kinder haben wollen. So werden zahlreiche Arbeitszeitmodelle entwickelt, die den Familien die Möglichkeit geben sollen, mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Beispielsweise durch Betreuungsangebote Eltern die Möglichkeit zur bezahlten Arbeit zu ermöglichen, um zwei Einkommen für eine angemessene Familienversorgung zu ermöglichen. Alleinerziehende Elternteile stehen am unteren Rand der Einkommensverhältnisse in Deutschland. Insgesamt wurde im Umkehrschluss allerdings auch deutlich, dass die Wirtschaft billige Arbeitskräfte benötigt.

In der Podiumsdiskussion wurden fünf Väter vorgestellt, die in unterschiedlichen Bereichen, immer jedoch in freier oder leitender Position, Wege gefunden haben, die ihnen weitgehend die Möglichkeit boten, ihre Arbeitszeit mit der Familienarbeit einigermaßen in Einklang zu bringen. Teilweise wurden auch für die Mitarbeiter entsprechende Modelle zu schaffen versucht.

Im Nachmittagsteil war der Schwerpunkt auf 10 „Themeninseln“ gelegt, wo die Teilnehmer zu den vorgestellten Personen gehen konnten, um ihre Fragen beantworten zu lassen. Fast ausschließlich ging es um verheiratete Eltern, deren Arbeitszeiten mit Angeboten zur Arbeitszeitgestaltung zum Tragen kamen.

Nur in wenigen Halbsätzen wurde auf die Situation der getrennten und geschiedenen Väter eingegangen. In der Fragezeit wurde dann bei den Themeninseln immer wieder dahingehend geantwortet, dass das Thema bekannt ist und es neuer Regelungen für diese Gruppe bedarf, dass jedoch keinerlei Ressourcen dafür vorhanden sind und dieses mittlerweile doch als Massenthema zu benennende Problem vielleicht irgendwann einmal als Unterthema in einem weiteren Kongress behandelt werden wird.

Insgesamt ist die Wirtschaft auf die Frauenarbeit angewiesen, ebenso auf billige Arbeitskräfte, so dass eine andere Familienpolitik kaum verwirklicht werden kann. Von Seiten des Familienministeriums wurde lediglich auf die Arbeitszeitverteilung eingegangen, Kinder wurden nur zweimal in der gesamten Tagung genannt, obwohl sie das Kernthema darstellten. Ihre Bedürfnisse wurden auf Bildung in Fremdunterbringung definiert, vorsichtige Fragen zu familiärer Sozialisation wurden mit „Studien“ abgewiesen.

Fazit: Neue Männer haben sowohl im Beruf wie in der Familie volle Leistung zu zeigen, damit Frauen eine Karriere machen können, um den Gender Paygap zu minimieren, wobei mitgeteilt wurde, dass Frauen über 80 % des Einkommens verfügen (können). Auch wenn einige Modelle von angepassten Arbeitszeiten und –modellen bereits umgesetzt werden, ist noch keine Wende in Sicht, die die Familie wieder als Regenerationsfaktor und Kernzelle der Gesellschaft bewertet.
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Bitte unterstützen Sie unter diesem Link unsere Initiative. Vielen herzlichen Dank!

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