„Ein Vaterschaftstest erspart vielen ein Drama“

Ludger Pütz, Betreiber des Kuckucksvater-Blogs und unlängst bereits eine Meldung der Schweizer Zeitschrift „20 Minuten“ wert, gab in „Die Welt“ ein ausführliches Interview zu den Hinter- und Beweggründen seines Engagements:

„… Die Welt: Warum haben Sie einen Vaterschaftstest verlangt?

Pütz: Die Mutter des Kindes hat mehrmals unter Beweis gestellt, dass sie zu allem fähig ist. Irgendwann habe ich mich dann gefragt, warum ich davon ausgegangen bin, dass der Kleine meiner ist. Er hat keinerlei Ähnlichkeiten mit mir. Als ich dann drauf und dran war, in den Ort zu ziehen, in dem der lebt, wollte ich Gewissheit haben.

Die Welt: Wie sind Sie mit der Nachricht umgegangen?

Pütz: Ich wusste, dass dieses Kind seinen Vater kennenlernen sollte. Und dass ich Hilfe brauchen würde, um ihm alles zu erklären. Aber bei den vermeintlichen Beratungsstellen, die der Staat finanziert, bin ich nur auf Ratlosigkeit gestoßen. Also habe ich mir die Informationen selber zusammengesucht und auf meinen Blog gestellt. Dann haben mich immer mehr Leute um Rat gebeten, irgendwann erstellte ich eine Selbsthilfegruppe auf Facebook und die Fanseite der Aktion „Kinder haben ein Recht auf Identität“. Im April gab es sogar ein persönliches Treffen von Betroffenen in Krefeld. Ich werde das Thema nicht mehr los.

Die Welt: Sie fordern jetzt einen obligatorischen Vaterschaftstest für jedes Kind kurz nach der Geburt.

Pütz: Jetzt stellen wir uns mal vor, jedes zehnte Kind würde in Deutschland in der Klinik vertauscht werden, oder auch nur jedes tausendste – der Aufschrei wäre enorm. Jeder sieht, was für eine Riesenkatastrophe das für Kind und Eltern ist, wenn ein Kind in einer Familie groß wird, die nicht die eigene ist. Die Kuckuckskindschaft ist genauso schlimm. Ich habe mein Kind geliebt. Ich war bei seiner Geburt dabei, ich habe verhindert, dass ein offensichtlich betrunkener Anästhesist seine Mutter anrührt, ich habe seine Windeln gewechselt, und als meine Ehe zerbrach, habe ich wie ein Löwe um ihn gekämpft. Und nach all diesen Kämpfen ist das nicht mein Kind. Ich empfinde Liebe für ein Kind, das ich großgezogen habe, dafür bin ich dankbar. Doch dadurch, dass ich glaubte, Vater zu sein, habe ich in dieser Zeit kein eigenes Kind gezeugt.

Die Welt: Sind Sie denn jetzt als wissender Scheinvater wirklich glücklicher als als unwissender?

Pütz: Ich bin froh darüber, dass ich seitdem Entscheidungen treffen kann, ohne von einer Lebenslüge fehlgeleitet zu werden. Davon abgesehen zwingt einen das Gesetz zum Handeln, sobald man Zweifel hat. Von diesem Zeitpunkt an hat man nämlich nur zwei Jahre Zeit, um die Vaterschaft anzufechten. Oft nicht einmal die, wenn eine Kuckucksmutter als Zeugin in eigener Sache behauptet, man habe das sowieso schon immer gewusst – dann bleibt man der Zahlesel bis an sein Sterbebett. Obwohl vielleicht das Kind irgendwann erfährt, was Sache ist, und von heute auf morgen selbst den Kontakt verweigert. …“

Quelle / gesamtes Interview: Die Welt

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