„Erzeuger und Geldmaschine“

„… Besonders nach einer Trennung haben es Väter nicht immer leicht. Ralf ist ernüchtert: „Mir ist jetzt erst so richtig aufgefallen, was es heißt, im Patriarchat zu leben. Mit Geschlechterfragen habe ich mich vorher nie beschäftigt. Aber jetzt wird mir klar, wie alles ineinandergreift. Wie ich in die Ernährerrolle geraten bin – und wie mir das nun auf die Füße fällt. Das System diskriminiert nicht nur Frauen, es diskriminiert auch Männer.“

Dem deutschen Familiengerichtstag, dem Forum der FamilienrichterInnen, ist diese Konstellation bekannt. Mehrere Arbeitsgruppen haben sich schon mit der Frage beschäftigt, wie hier mehr Gerechtigkeit einziehen kann. Heinrich Schürmann ist Familienrichter und an der Diskussion beteiligt. Er kritisiert insbesondere die Entscheidungen des Bundesgerichtshofs in dieser Frage. Der BGH hat gerade erst in diesem März geurteilt, dass ein Vater, der fast zum gleichen Teil wie die Mutter für sein Kind sorgt, kaum entlastet werden muss.

[…]

Beim Verband alleinerziehender Mütter und Väter kennt man das Problem und versucht eine Erklärung: „Das Wechselmodell, bei dem das Kind hälftig von beiden Eltern betreut wird, ist relativ neu“, erläutert die Vorsitzende Edith Schwab. „Insbesondere nachdem das neue Unterhaltsrecht von 2008 Frauen nach einer Scheidung dazu verpflichtet, schneller wieder erwerbstätig zu werden, steigt natürlich deren Interesse daran, dass die Kinder in dieser Zeit vom Vater betreut werden“, meint sie. Das Familienrecht sei daran noch nicht angepasst: „Man muss da eine Modifizierung finden“, formuliert sie vorsichtig. Einen Vorschlag dazu hat der Verband noch nicht.

Die Männerlobby, das „Bundesforum Männer“ kritisiert die bisherige Regelung scharf: „Das ist unserer Ansicht nach eine klare Benachteiligung der Väter“, sagt der stellvertretende Vorsitzende des Verbands, Hans-Georg Nelles, der taz. Den Vätern werde „die Möglichkeit genommen, eigene Arbeitszeiten zu reduzieren und den Betreuungsaufwand für ihre Kinder zu erhöhen.

Damit werden alte Rollenzuschreibungen zementiert, Väter bleiben Ernährer und Mütter erleiden als Alleinerziehende Nachteile auf dem Arbeitsmarkt.“ Auch das Bundesforum regt an, den BGB-Paragrafen 1606 neu zu fassen: „Wir bedauern es, dass die Politik, die in den vergangenen 50 Jahren das BGB an vielen Stellen entrümpelt hat, trotz der seit Jahrzehnten verfolgten Gleichstellungspolitik an dieser veralteten Regelung festhält.“

Warum tut sie das? Warum ändert sich nichts? Schürmann vermutet: „Das ist ein hochemotionaler Bereich. Die Politik traut sich da nicht heran. Sie hat Angst vor einem Aufstand der Mütter.“ …“

Quelle / gesamter Artikel: taz

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