„Kinder lassen Eltern in traditionelle Rollen fallen“

„… Kalicki: Kinder sind kein Beziehungskitt. Vorliegende Studien zeigen, dass Kinder die Qualität der Partnerschaft nicht ändern. Oder anders gesagt: Unglückliche Paare werden durch ein Kind nicht glücklicher. Die Geburt des ersten Kindes ist eine belastende, eine stressige Zeit für Paare. Dazu gehört die neue Rolle, das Kind, das versorgt werden muss, die Abhängigkeit. Und die Situation, dass Eltern auf sich als Paar zurückgeworfen sind. Wir haben nicht mehr das Dorf, den Familienverband, der das Kind miterzieht. Die größte Entlastung für die Mutter oder den Vater ist der Partner. Hier kommt es typischerweise zu Verteilungskonflikten. Das macht sich fest an der Berufstätigkeit, an der Erziehung und an der Haushaltsführung und der Frage „Wer tut was?“. Kinder lassen Eltern in traditionelle Rollen fallen: Der Mann als Brotverdiener, die Frau kümmert sich um Haushalt und Familie.

STANDARD: Das betrifft auch Eltern, die fortschrittlich und gleichberechtigt mit der Rollenverteilung umgingen. Bis dahin.

Kalicki: Dieser Rückfall von kinderlos egalitären Paaren in traditionelle Muster ist eine Realität.

STANDARD: Warum ist das so?

Kalicki: Das hängt mit romantisch verklärten Bildern von Mutterschaft, Elternschaft und Familie zusammen. Man muss sich nur ansehen, welche Illusionen sich Paare bei der ersten Schwangerschaft aufbauen über das kommende Familienleben. Und natürlich gibt es weiterhin ökonomisch gute Gründe, warum die Frau aus dem Beruf ausscheidet oder unterbricht. Männer sind im Durchschnitt einige Jahre älter, haben meist ihre Ausbildung abgeschlossen, stehen höher in der Karriereleiter und verdienen mehr. Wir haben auch das Bild, dass die Vollerwerbstätigkeit zur Normalbiografie des Mannes gehört. Es gibt viele Gründe, warum wir trotz des Einstellungswandels zur Frage, was gerecht ist, auf der Verhaltensebene nach wie vor traditionelle Muster finden. …“

Quelle / gesamter Artikel: Der Standard

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Studie des Robert-Koch-Instituts weist gleichmäßige Verteilung häuslicher Gewalt nach

„… Häusliche Gewalt gegen Männer ist immer noch ein Tabuthema. Dabei sind laut der aktuellen Gesundheitsstudie des Robert-Koch-Instituts (RKI) in Berlin fast ebenso viele Männer wie Frauen Opfer körperlicher Gewalt ihres Partners.

Laut dieser Studie leiden Männer seelisch sogar erheblich mehr als betroffene Frauen. „Dies kann als Hinweis auf eine fehlende sozial akzeptierte Opferrolle für Männer interpretiert werden“, heißt es in der Studie. …“

„… Doch nur einmalige Übergriffe sind sehr selten – wer das erste Mal zuschlägt, überschreitet eine Grenze und geht meist nicht mehr dahinter zurück. Die Opfer sind oft Männer, die sich fair verhalten wollen. Viele von ihnen nehmen die Schuld für das Verhalten ihrer Partnerin auf sich.

„Dieses Phänomen findet man auch bei geschlagenen Frauen“, erklärt Roth-Sackenheim. Frauen, die selbst prügeln, neigen generell rasch zu Wutausbrüchen. Sie haben wenig Einfühlungsvermögen und schlagen zu, weil sie sich vermeintlich nicht anders zu helfen wissen. …“

Quelle / gesamter Artikel: Die Welt

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Entziehung des Sorgerechts als bequeme Alternative zur Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII?

„… Uns sind Fälle bekannt geworden, in denen anstelle der beantragten Eingliederungshilfen hastig das Familiengericht angerufen wurde, um bei ansonsten intakten Familienverhältnissen eine Entziehung des Sorgerechts durchzusetzen. Für die betroffenen Familien kommt dies einem Alptraum gleich.

„Das Gesetz sieht vor, dass vornehmlich Hilfen in die Familien reingegeben werden, wenn Probleme da sind“, so der ehemalige Familienrichter Prof. Elmar Bergmann gegenüber dem ZDF. Es entsteht der Eindruck, dass die Jugendämter, wenn Eltern nicht mit den Vorstellungen der Behörde konform gehen, diesen vorschnell ein Erziehungsversagen unterstellen, und sich ihre Arbeit mit der Entziehung des Sorgerechts leicht machen wollen. Dies gilt insbesondere dann, wenn Eltern sich selbst mit einem Antrag auf Eingliederungshilfe nach § 35a SGB VIII hilfesuchend an das Jugendamt wenden, das Jugendamt jedoch hinsichtlich der Gestaltung der konkreten Hilfe andere Ansichten verfolgt und diese mit Hilfe des Familiengerichts durchsetzen will. Dies kann z.B. der Fall sein, wenn das Jugendamt gegen den Willen der Eltern eine stationäre Heimunterbringung durchsetzen will.

Uns ist in einem weiteren Fall berichtet worden, das ein Jugendamt zwar einem als Eingliederungshilfe gestellten Antrag auf Kostenübernahme für eine Internatsbeschulung stattgeben wollte. Allerdings bestand die Behörde darauf, die Entscheidung auf eine andere Rechtsgrundlage zu stützen, nämlich nicht auf § 35a, sondern § 34 SGB VIII (Heimerziehung, sonstige betreute Wohnform). Auch hier ist Wachsamkeit geboten, denn diese Vorschrift soll nach ihrem Wortlaut u.a.

entsprechend dem Alter und Entwicklungsstand des Kindes oder des Jugendlichen sowie den Möglichkeiten der Verbesserung der Erziehungsbedingungen in der Herkunftsfamilie

  1. eine Rückkehr in die Familie zu erreichen versuchen oder
  2. die Erziehung in einer anderen Familie vorbereiten oder
  3. eine auf längere Zeit angelegte Lebensform bieten und auf ein selbständiges Leben vorbereiten.

In einem solchen Fall keimt der Verdacht auf, dass über die Auswahl der Rechtsgrundlage bereits eine künftige Sorgerechtsentziehung abgesichert werden soll. Solchen Bestrebungen ist von vornherein entschieden entgegenzutreten. …“

Quelle / gesamter Artikel: Anwalt.de

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Der Spagat „perfekter“ Väter

„…Als SPD-Chef Sigmar Gabriel Anfang Januar seine Mittwochnachmittage für Tochter Marie reservierte, machte das Schlagzeilen bis nach Italien. Ein Minister als aktiver Teilzeit-Vater? Im Land der großen Kinderliebe für viele Männer unvorstellbar. In Deutschland hat sich der Wind gedreht. Immer mehr Männer schwanken zwischen dem traditionellen Rollenbild als Ernährer ihrer Familie und dem Wunsch nach mehr Zeit mit ihren Kindern hin und her. Es ist wie ein neuer Stressfaktor.

Oft ist es nicht allein eine Frage von Zeit und Geld. Es geht um die Anerkennung neuer Männerrollen und um die Wünsche von Frauen. Das macht die Sache kompliziert. Wie kompliziert, hat die Zeitschrift „Eltern“ nun in einer repräsentativen Umfrage unter Vätern beleuchtet. Vater sein bedeutet heute ein Leben mit mehr Widersprüchlichkeiten als früher, lautet ein Hauptergebnis.

„Väter wollen früh eine Erziehungsfunktion haben und nicht das fünfte Rad am Wagen sein“, sagt Ralf Sprecht, Vorsitzender des Vereins Väter in Hamburg. „Trotzdem fühlen sich viele Männer auch weiterhin als Ernährer. Der Tag hat aber nur 24 Stunden. Deshalb sind viele Männer so ausgepowert.“ Aber vom Vollzeitjob lassen will die große Mehrheit auch nicht. Liegt das an der Karriereplanung? Nicht nur, meint der Schriftsteller Ralf Bönt. „Was man heute unterschätzt ist, dass fast alle Männer bei der Geburt eines Kindes einen Schub von Sicherheitsdenken haben. Die Arbeitsstunden gehen hoch.“ …“

Quelle / gesamter Artikel: Saarbrücker Zeitung

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Neue Väter, neue Probleme

„… Umfragen bestätigen den zunehmenden Wunsch von Vätern, mehr im Alltag ihrer Familien mitzumachen. Viele von ihnen wollen nicht mehr 40 Stunden und mehr arbeiten, sondern im Durchschnitt pro Woche sieben Stunden weniger als bisher, also Teilzeit. Diesem Bedürfnis entspricht der Vorschlag der Familienministerin, die die Wochenarbeitszeit für junge Eltern reduzieren möchte.

Neue Perspektive für die Partnerinnen

Hauptgewinner wären die Kinder, die in vielen Umfragen über besonders wenig Zeit mit ihren Vätern klagen. Gerade für Jungen hat das fatale Auswirkungen. Laut einer australischen Studie führt eine hohe Berufsbelastungen der Väter auffällig oft zu negativem Sozialverhalten der Kinder – vor allem der Söhne. Jungen schreiben schlechtere Schulnoten als Mädchen, gehen seltener aufs Gymnasium, brechen die Schule öfter ab und dominieren mit 64 Prozent bei den Förderschülern. Maßgeblich schuld daran ist nach Ansicht von Forschern die fast vollständige Abwesenheit von Männern in den ersten Lebens- und Schuljahren der Kinder.

Träten die Väter durch längere Elternzeiten oder Teilzeitarbeit beruflich kürzer, hätten ihre Partnerinnen auch neue berufliche Perspektiven. Das Berufs- und Karriererisiko Kind könnten Personalchefs nicht länger den Frauen zuordnen. Plötzlich hätten sie es ebenso oft mit Männern zu tun, die wegen ihrer Kinder nicht mehr unbeschränkt an ihrem Arbeitsplatz verfügbar wären. Frauen und Männer hätten dann trotz Elternschaft tatsächlich fast gleiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Die bundesdeutsche Wirklichkeit sieht aber anders aus. …“

„… Auch die vom Spiegel präsentierten Vorzeige-Väter haben ein gemeinsames Merkmal: Sie sind Manager oder Abteilungsleiter, die sich eine verringerte Arbeitszeit leisten können. Das ist bei der Mehrheit der Familien, vor allem in den Großstädten, nicht der Fall. Dort ist es so, dass wegen steigender Mieten und Energiepreise, erhöhter Kitagebühren oder Ticketpreise für Bus- und Bahn immer mehr Eltern ohne zwei Vollzeitjobs wirtschaftlich nicht über die Runden kommen. …“

Quelle / gesamter Artikel: Die Zeit

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Fast jedes fünfte Kind in Deutschland von Armut bedroht

„In Deutschland ist nach einer Studie fast jedes fünfte Kind (18,9 Prozent) von Armut bedroht. Dabei ist die Armut von Kindern und Jugendlichen in Ostdeutschland mit 26,3 Prozent deutlich höher als im Westen, wo 17,4 Prozent der Kinder unter der Einkommensschwelle leben.

Das ist das Ergebnis einer Untersuchung des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung. …“

„… Als armutsgefährdet gilt nach wissenschaftlicher Definition, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Netto-Einkommens zur Verfügung hat. Für ein Elternpaar mit einem Kind unter 14 Jahren liegt die Armutsschwelle derzeit bei 1564 Euro im Monat.“

Quelle / gesamter Artikel: Süddeutsche Zeitung

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„Kinder in der Pubertät – welche Rolle die Väter haben“

„… Süddeutsche.de: Die meisten Eltern bemühen sich, die Erziehungsaufgaben gleich zu verteilen. Nehmen Vater und Mutter trotzdem unterschiedliche Rollen ein?

Wassilios E. Fthenakis: Beide Elternteile sind unverzichtbar. Aber sie setzen unterschiedliche Schwerpunkte. Väter sind besonders stark an der Entwicklung des Selbstkonzepts des Kindes beteiligt. Väterliche Merkmale sind prognostisch bedeutsam, wenn man die schulische Laufbahn des Kindes vorhersagen möchte, und Väter tragen dazu bei, dass Kinder später als Erwachsene keine Verhaltensauffälligkeiten zeigen. Darüber hinaus vermitteln sie dem Kind Informationen über Gesellschaft und Berufsleben. Und sie haben eine zentrale Rolle, wenn es um die Entwicklung der Autonomie geht, ebenso bei der Ausprägung des geschlechtsrollenspezifischen Verhaltens, besonders bei Mädchen. Die Mütter dagegen tragen zur Regulierung sozialer Kontakte und sozialer Beziehungen bei. Und beide Eltern sind in gleicher Weise für die Lebenszufriedenheit ihrer Kinder wichtig.

Verhalten sich Väter ihren Kindern gegenüber anders als Mütter?

Väter verbringen zwar meist weniger Zeit mit ihren Kindern, nutzen diese aber intensiver – beispielsweise, wenn sie abends von der Arbeit kommen und sich erst einmal intensiv ausschließlich ihren Kindern widmen. Und sie betten diese Interaktion in der Regel in einen angenehmen Kontext ein: Sie werfen die Kleinkinder hoch, fangen sie wieder und so gestaltet sich die Beziehung für die Kinder attraktiv und aufregend. Viele Mütter sind zwar mehr Stunden des Tages mit ihren Kindern zusammen, der Kontakt verläuft aber oft parallel zu anderen Tätigkeiten. …“

Quelle / gesamtes Interview: Süddeutsche Zeitung

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Titelthema der heutigen „Zeit“: „Not am Mann“

Wer unsere Arbeit kennt, weiß dass wir nicht an Geschlechtergrenzen entlang handeln, sondern den Brückenschlag und Dialog suchen. Nichts desto trotz liegt unser Hauptaugenmerk allein aus statistischen Gründen der Trennungselternschaft auf der männlichen Eltern- und damit Beziehungsrolle. Zudem wirken sich Problemlagen häufig direkt oder indirekt auf das Familiengefüge und damit Konfliktpotential aus. Vor diesem Hintergrund verweisen wir auf das obengenannte Titelthema der heutigen „Zeit„, welches sich der zunehmenden Probleme des männlichen Geschlechts widmet.

Der Artikel in statistischen Werten: zwei Drittel der Sonder- und Förderschüler sind männlich, zwei von drei Gewaltopfern sind Männer, Männer sterben 5 Jahre früher als Frauen, ihre Suizidrate ist durch alle Altersgruppen hinweg dreimal so hoch wie die der Frauen und oftmals in einer schwierigen Beziehung zum Vater bedingt, 75% der Obdachlosen sind männlich, dreimal so viele Männer wie Frauen sterben jährlich an den Folgen des Alkoholkonsums; während eine Frau mit psychischen Problemen 9 Monate benötigt, um sich für professionelle Hilfe zu entscheiden, sind es beim Mann 70 Monate – oftmals von einer Frau dazu überredet. Und selbst dann fällt es der Mehrheit der therapeutischen Patienten schwer, über ihre statt die Bedürfnisse der Partnerin zu sprechen. Hinzu kommt, dass sich selbst für emanzipierte Frauen mit dem Wunsch, in die Gefühle ihres Partners einbezogen zu werden, ein Problem der Augenhöhe offenbart, wenn dieser sich negative Gefühle wie Depressionen eingesteht. Auch kommt der Artikel neben weiterführenden Erklärungsansätzen auf die häufig fatalen Folgen einer nahezu flächendeckend fehlenden Jungenpädagogik zu sprechen.

Einziger Wermutstropfen des sehr zeitgemäßen Essays der beiden Journalistinnen Tanja Stelzer und Elisabeth Raether ist die im Artikel ausgeblendete Tatsache, dass die Familienpolitik nach wie vor deutlich zulasten der männlichen Elternteile geht und diese sich eben oftmals nicht einfach nur „nicht mehr blicken lassen“. Dennoch lesenwert!

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